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1992 änderte Billy Ray Cyrus seinen Weg und wechselte von Country zu Country-Pop, einen Wechsel, den viele nach ihm vollzogen haben (und er war auch nicht der erste). Die Tatsache, das Cyrus diesen Schritt bereute und mit seinem nächsten Album zu seinem früheren reinen Country Stil zurückkehrte sagt vielleicht einiges über Country-Pop aus, aber das ist eine andere Geschichte. Als Teil der Vermarktung seines Songs „Achy Breaky Heart“, wurde Melanie Greenwood gebeten eine Choreographie zu dem Song zu schreiben. Der Rest ist, wie man sagt, Geschichte. Der Song wurde Cyrus‘ größter, sogar einer der größten ‚Country‘ Songs der 1990er überhaupt. Der riesige Erfolg dieses Liedes machte auch Line Dance allgemein bekannt. Das, was in den 80ern nur ein Disko Tanzstil unter vielen, und keineswegs besonders populär oder auch nur gut bekannt gewesen war, wurde plötzlich die allerneueste Mode in Sachen Tanzstil. Line Dance war plötzlich überall ‚in‘. Überall in Nordamerika, Australien und Europa wurde Line Dance unterrichtet und die entsprechenden Lokale begannen sich um die Linetänzer zu kümmern. Es ist irgendwie komisch, dass das, was helfen sollte einen Song bekannt zu machen nun von dem Song berühmt gemacht wurde und noch lebt wo der Song längst im Dunkel verstaubter Plattensammlungen verschwunden ist. Sich selber an den Haaren hochziehen ist genau das, was Line Dance, wie wir es heute kennen, fertiggebracht hat!

Line Dance war nicht nur ‚in‘, sondern wurde, dank der Verbindung zu Billy Ray Cyrus‘ Song, mit Country Music geradezu gleichgesetzt.
In den frühen 1990ern wurde Line Dance zu Country Music getanzt, fast alles an Line Dance war ‚Country‘. Kennt man diese Brücke zwischen Line Dance und Country Music überrascht es nicht, dass Line Dance via Country Musik Szene über die ganze Welt verteilt wurde. Wo immer man in Europa oder Australien Country Musik Fans fand, sah man die meisten auch Line Dance tanzen.

Kurz darauf gab es eine Sintflut von Line Dances, die zu Country Music geschrieben worden waren – damit wurde das Interesse all der Country Musik Fans befriedigt, die Line Dance im Gefolge von „Achy Breaky Heart“. „Bar Room Romeo“ (1992/1993), „Waltz Across Texas“ (1992), „Thunderbolt“ (1992), „Hot Tamales“ (1993), „Chattahoochee“ (1993), „God Blessed Texas“ (1993) und vielen, vielen anderen probieren wollten. Line Dance in Australien bekam den Boom 1992/1993als eine ganze Anzahl bekannter Line Dance Persönlichkeiten dort zu lehren und zu choreographieren anfingen. Soweit ich weiß, war Gordon Elliott 1991 der erste. Innerhalb zweier Jahre gesellten sich Tracie Lee, Terry Hogan, Simon Ward, Greg North, Julie Talbot, Lance Pritchard und andere hinzu. Einige der frühesten Aussie Line Dances waren „The Outback“ (1993), „Girl’s Night Out“ (1994), „Third Rock“ (1994), „Bow Legged Boogaloo“, „Check Please“ und „Ghost Rider“.

Angesichts der facettenreichen Entwicklung des Line Dance bis in die Mitte der 90er Jahre, überrascht es nicht, dass Line Dance sich zunehmend auch wieder anderen Musikrichtungen zuwandte. Dies auch schon weil Line Dance den Markt der Country Musik Anhänger schon erschöpft hatte und mit dem Niedergang des „Achy Breaky Heart“ Hypes neue Märkte gefunden werden mussten. Dazu kam, dass das Können der Line Dance Choreographen zunahm und damit die Experimentierfreude wuchs, sich auch in anderen Musikrichtungen zu versuchen, statt ewig bei den gerade aktuellen Country Songs zu bleiben. Aus welchem Grund auch immer, letztlich wurden immer mehr Line Dances zu Non-Country Music geschrieben. Dieser Trend weg von der Country Music hat die Puristen reichlich Stöhnen und Murren lassen, die offenbar vergaßen (oder es nie wussten) das Line Dance nur in den frühen 90ern dem ‚Country‘ zuzurechnen war. In den 80ern war es nämlich viel wahrscheinlicher, dass ein Line Dance zu einem Pop als zu einem Country Song getanzt wurde.

Der Wechsel zu Non-Country Music war ziemlich allgemein, trotzdem gibt es Unterschiede von Region zu Region. In einigen Weltgegenden erwies sich Line Dance als bemerkenswert immun gegen Non-Country Music. Anderswo jedoch, besonders im Vereinigten Königreich, hat sich ‚Country‘ dafür schon fast völklig vom Line Dance getrennt. Im England unserer Tage werden mindestens 95% der Tänze zu Non-Country Musik getanzt und die traditionelle Country Line Dance Kleidung sieht man so selten wie ein Sechser im Lotto (im Durchschnitt jedenfalls. Es gibt Lokale, die spielen durchaus auch Country, andere dafür überhaupt nie). Andere Gegenden, swie Australien, haben eine gewisse Balance bewahrt mit einer Mischung aus Country und Non-Country Songs. Man kann sogar sagen, dass zumindest hier in Australien die Tänze, die sich am längsten halten diejenigen ind, die zu Country Music getanzt werden..

Ein letztes Wort zum Thema ‚Pop oder Country‘. Es stimmt, manche die in den 90ern zum Line Dance kamen, taten das wegen der Verbindung zur Country Music. IDiese Leute waren meist Country Music Fans (und sind es meist heute noch). Niemand kann wirklich bestreiten, das viele aus dieser ‚Country Fraktion‘ nicht glücklich damit sind, dass Line Dance zur Pop Musik zurückkehrt und viele von ihnen haben mit den Füßen abgestimmt – sie haben aufgehört. Auf der anderen Seite sind seit Ende der 90er sehr viele Neue dazugekommen, die keine Country Musik Fans sind und die auch nicht zu dieser Musik tanzen wollen. Es ist, da bin ich sicher, der Einfluss dieser Non-Country Fans die Line Dance von Country wegbewegt haben. Diese Bewegung weg von Country Music ist nicht einer finsteren Verschwörung geschuldet, sondern spiegelt einfach den geänderten Geschmack der Mehrheit der Tänzer. wenn die Mehrheit der Tänzer einen Tanz zu einem bestimmten Lied nicht wollen würde, er könnte sich niemals durchsetzen. Ich höre, dass Country Songs in England üblicherweise die Tanzfläche leerfegen und dem DJ Beschwerden einbringen – wenn sie denn überhaupt gespielt werden (in dem meisten Lokalen – es gibt Ausnahmen). Die Leute wollen Pop also kriegen sie es. Das sind zwar keine guten Nachrichten für die Country Fraktion, aber wie man sagt, man kann es halt nie allen Recht machen. Ich sollte vielleicht hinzufügen, dass ich Country Music Fan bin und Tänze zu Country Songs schon deshalb vorziehe, weil mir die Muusik gefällt. Aber – ich tanze Line Dance, weil ich Spaß am Tanzen habe, nicht der Musik wegen! Dasselbe gilt für die Person, die mich Mitte der 90er zum Line Dance gebracht hat.

Nach allem was bislang gesagt wurde, Line Dance war und bleibt am beliebtesten in den USA – er kam von dort – und in den USA ist Country Music der Mainstream, nicht Pop oderRock. Ich spreche hier allerdings nicht von den Plattenverkaufszahlen sondern auch von dem, was die Leute halt so hören. Fährt man durch die USA sind die meisten Radiosender Country Music Sender.Bedenkt man wie populär diese Musik in den Staaten ist und das Line Dance dort beliebter ist als irgendwo anders, sehe ich in derr nahen Zukunft keinen Wechsel des Line Dance Erscheinungsbildes (heißt: Non-Country Stil) und ich glaube auch nicht, dass das so erstrebenswert wäre, wie die Befürworter denken. In anderen Ländern, wie z.B. in England, wo es nur eine Handvoll Country Music Fans gibt, und wo Line Dance fast ausschließlich Non-Country ist, sieht die Sache anders aus. Aber in absoluten Zahlen gibt es halt in USA weit mehr Linedancer als in England.

Während viele denken Line Dance sei gleichbedeutend mit Country Music und sogar viele aus der Szene glauben, dass das früher mal so war, zeigt die Geschichte des Line Dance ganz klar, dass das nur für einen Zeitabschnitt so war, den der Line Dance schon hinter sich hat. Die ersten Line Dances, ja das erste Jahrzehnt im Line Dance war fast vollständig zu Pop und Rock ’n Roll Musik. Ja, es gab auch ein wenig Country, aber das Allermeiste war Pop & Rock. In den 80ern war Line Dance keine Country Angelegenheit.

Das war es auch bis in die frühen 90er nicht. Mit „Achy Breaky Heart“ wurde Line Dance dann gleichbedeutend mit Country Music. Dieser Einfluß dauerte eine ganze Weile, verringerte sich aber deutlich seit Ende der 90er Jahre – dies setzt sich bis heute fort und Country hat in einigen Ländern schon jeden Einfluss verloren. Ich vermute, dass in einiger Zeit (vielleicht sogar schon bald) Line Dance zu jedweder Musik getanzt werden wird, die in der Gegend gerade in ist. In Großbritannien regieren Pop und Rock, also ist Line Dance dort Pop & Rock. In den USA regiert Country neben starken Einflüssen von Rock & Pop, also wird Line Dance dort seinen Country Charakter mehrheitlich bewahren. Hier in Australien gibt es Country Music nur im Randbereich, genau wie in England, aber Line Dance hält sich ausgerechnet dort, wo die Country Music zuhause ist. Aus diesem Grund scheint Line Dance hierzulande auf einem Mittelweg zwischen den USA und England zu sein – keine Richtung dominiert und wenn man die großen Städte verlässt, kriegt Line Dance ein ländliches Aroma (genau wie die Klamotten der Leute).

Der divergierende Musikgeschmack wird, mit der Zeit, zu größeren Unterschieden im Tanzen zwischen den Regionen führen. Line Dance scheint sich heutzutage wieder entsprechend seiner diversen Wurzeln aufzufächern. Im Vereinigten Königreich and Europa, geht’s zurück in die Disko Tage: Pop, Dance, Hip Hop usw. – anstrengende, sportliche Tänze. In den Vereinigten Staaten, behält die Country Tradition ihre Kraft und es gibt den Trend zu einfacheren Tänzen zu Country Music. Wird man, in der Zukunft, beide Tanzarten noch Line Dance nennen? Wie weit werden sie sich auseinanderentwickeln? Werden sie ähnlich genug bleiben um sie unter dem Namen ‚Line Dance‘ zusammen zu fassen? Werden gar ganz neue Tanzformen geboren werden, mit neuem Namen (viellieichzt in England)? Wer weiß. Wie immer wird das erst die Zeit zeigen.

Was ist mit Line Dance und dem Countryimage? Der übliche Eindruck ist , daß Line Dance zu Country gehört. Für den durchschnittlichen Nicht-Linedancer wird Line Dance von Leuten in Cowboyklamotten getanzt die zu alten Countryklassikern wie Slim Dusty (Australien) oder Merle Haggard (USA) herumshufflen. Einige glauben Dank Film und Fernsehen das Line Dance zu „Yeehaa“-Musik in Honky Tonks getanzt wird, wiederum in Cowboyklamotten . Während sich tatsächlich einige Linedancer westernstyled kleiden (Ich z.B.) und obwohl es viele Line Dances gibt die in der Tat zu Musik im Stile von Haggard und Co oder Honky Tonk Musik getanzt werden, weiß jeder Linedancer, daß dies wirklich nur ein Teil der Line Danceszene ist. Warum sehen nicht Linedancer uns derart? Fast sicher war es in erster Linie „Urban Cowboy“ in den 80igern und vor allen Dingen „Achy Breaky Heart“ 1982, die Line Dance öffentlich bekannt gemacht haben. Dies hat Line Dance zwar zu Popularität verholfen aber gleichzeitig die öffentliche Wahrnehmung zementiert, wie sie noch heute ist. Für Nicht-Linedancer tanzen wir immernoch Achy Breaky Heart etc.. Linedancer tragen immernoch Hut, Stiefel und tanzen nur zu Countrymusik. Wenn Madonna oder Kylie Line Dance benutzen würden um einen ihrer Hits zu vermarkten, wie es Billy Ray Cyrus damals tat, dann würde die öffentliche Wahrnehmung sich vielleicht vom Countryimage abwenden. Obwohl mir persönlich die Idee, das Line Dance von Kylie oder der öffentlichen Meinung bestimmt wird nicht gerade schmeckt.

Mit den Vergehen des „Achy Breaky Heart“-Faktors hat sich ja nicht nur die Musik geändert, sondern auch das Outfit. In den 80ern war Line Dance viel zu neu um eine eigene „Kleiderordnung“ zu haben. Während des Booms in den 90ern wurde es aber üblich Westernkleidung zu tragen. Wohin man ging fand man Westerhemden, Buckles, Cowboystiefel, Hüte und Fransen. Dieser Trend ist heute in vielen Weltgegenden ausgestorben, obwohl es das in ländlichen Gegenden schon noch gibt. Sogar in den großen Städten findet man ab und an noch Hut und Stiefel obwohl die Jazzsneakers überall auf dem Vormarsch sind. Falls sie sich fragen …..- ich gehöre zur „Hut und Stiefel“-Truppe.

Was den beliebten Mythos betrifft, Line Dance käme aus dem „Wilden Westen“ des 19ten Jahrhunderts, das ist halt nichts als ein Mythos. Die Weißen dieser Zeit haben getanzt – manche jedenfalls (gerade so wie heute). Einige Schritte würden Linedancern von heute sogar bekannt vorkommen, aber das sind halt Schritte, die allen Tanzformen aller Zeiten gemeinsam sind. Es ist eine Tatsache, das was im Wilden Westen dem Line Dance noch am ähnlichsten war, waren die Tänze der Indianer!

Eine andere Entwicklung die man beobachtet ist, dass neue Tänze immer schwieriger werden. Tänze die vor 5 – 10 Jahren als „Advenced“ bezeichnet worden wären gelten heutzutage allenfalls noch als noch als „Intermediated“. Jedes Jahr kann man sehen wie die anspruchsvolleren Tänze an Komplexität und Schwierigkeit zunehmen. Tänze von denen es noch vor ein paar Jahr hieß, sie seien nur für Turniertänzer machbar sieht man heute auf jedem Tanzboden. Tatsächlich haben es viele Ex-Wettkampftänze ins allgemeine Repertoire gebracht. Diese Entwicklung wird in England und Australien besonders deutlich und geht mit einem Bündel an Vor- und Nachteilen einher. Der eindeutigste Vorteil ist, dass das eine fortgesetzte Herausforderung für die fortgeschritteneren und experimentierfreudigeren Tänzer bedeutet. Ein fortgesetztes Wachstum – und Wachstum ist insgesamt Voraussetzung für das weitere Überleben. Mit dem Anstieg der Schwierigkeit wird Line Dance immer professioneller. Natürlich nur im Hinblick auf sein Erscheinungsbild nicht im Hinblick auf Bezahlung. Der Vorteil an der Sache ist, je professioneller eine Tanzform wird um so besser kann sie sich halten. Die Kehrseite ist, dass es für Anfänger immer schwerer wird mitzukommen (so ergeht es übrigens auch Tänzern die nicht herausgefordert werden wollen) und Leute die überhaupt erst einsteigen wird es noch schwerer fallen. Das alles unterstreicht die Notwendigkeit echte Anfängerkurse durchzuführen und sich auch um diese Tänzer zu kümmern – schließlich erwachsen aus diesen Reihen später die erfahreneren Tänzer.

Solange die Choreographen immer schwierigere Tänze schreiben und die Tänzer immer noch raffiniertere Tänze verlangen wird diese Polarisierung weitergehen. Man fragt sich ob dies irgendwann zu zwei verschiedenen Line Dance-Lagern führt – die Anfänger/Partytänzer, die nur Oldies und ein paar neue Anfängertänze tanzen und die „Hardcorefans“, die dann schon eher Vorführungs- oder Bühnentänzer wären? Diese Polarisation prägt auch das Bild in anderen Tanzformen wie Standard/Latein, Ballett, Stepptanz, Tango etc.. Unzweifelhaft ist Line Dance auf dem gleichen Wege. Man sieht das schon heute am wachsenden Unterschied zwischen Line Dance als Freizeitbeschäftigung und Line Dance als Turniersport. In den 90ern waren Wettkampftänze noch dasselbe wie Freizeittänze – halt nur ein wenig besser. Heute gibt es eine riesen Unterschied, nicht so sehr in den Tanzschritten sondern im Vortrag. Turniertanz ist, in einem Wort, professionell geworden. Das hat Line Dance den Respekt verschafft, den es früher nicht hatte, dafür wird aber Turniertanz immer uninteressanter für die Freizeittänzer.

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